generalistische Pflegeausbildung

Nachqualifizierung Altenpflege – ein Zwischenbericht

Veröffentlicht am: 11. September 2013

Hoch motivierte Schüler in der verkürzten Altenpflegeausbildung

Seit dem Start des Modellprojekts – wir berichteten – sind mittlerweile mehr als neun Monate vergangen. Im November 2012 wurde die erste Klasse für die verkürzte Altenpflegeausbildung in der Berufsfachschule Altenpflege Osterholz-Scharmbeck eingeschult. Mit diesem Modellprojekt „Nachqualifizierung Altenpflege“ in Zusammenarbeit mit dem Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS GmbH) wurden ungelernte Beschäftigte in der Altenpflege angesprochen, die parallel zur Berufstätigkeit das große Examen erreichen wollen.

Schulleiterin Mechthild Schöller-Stindt resümiert nach knapp der Hälfte der Ausbildung: „Sowohl die Lehrenden als auch die Lernenden haben inzwischen interessante und bereichernde Erfahrungen gemacht“

An erster Stelle sei die hohe Lernbereitschaft und Lerndisziplin der Schülerinnen und Schüler dieser Klasse zu nennen, so Schöller-Stindt. Für alle galt es zunächst, das Lernen neu zu lernen, denn seit dem letzten Schulbesuch hat sich vieles verändert.

Eine große Herausforderung war und ist es für alle Beteiligten, den großen praktischen Erfahrungsschatz der Teilnehmer mit den neuen pflegewissenschaftlichen Wissen im Berufsalltag zu reformulieren und anzuwenden.

Eine weitere Herausforderung stellt die Art des Unterrichts und die Anforderung zum Selbstlernen für die Teilnehmer dar. Sie werden im Sinne des handlungsorientierten Unterrichts dazu angehalten, ihren Lernprozess sehr eigenständig zu organisieren.

Mechthild Schöller-Stindt berichtet beispielhaft über das Demenz – Projekt: „Das Thema Demenz wird bei uns auf der Basis des Theorie – Praxis-Transfers vermittelt.“ Die Schüler erhielten zunächst die relevanten Grundlagen als fachlichen Input. Anschließend probierten die Teilnehmer das erlernte Wissen in einer Projektwoche mit dementiell erkrankten Bewohnern in vier ausgewählten Praxiseinrichtungen aus. Sie führten zu dem Thema „Sommerträume“ ein förderpflegerisches Angebot durch.

„Die Rückmeldung der Schülerinnen und Schüler zu dieser Lern- und Unterrichtsform ist sehr positiv, weil dadurch die bisherigen Praxiserfahrungen reflektiert und neu strukturiert werden können.“ erklärt Schöller-Stindt.

Herauszuheben ist die hohe Teilnahmedisziplin dieser Klasse. Obwohl die Schüler zum Teil bis zum 100 Kilometer Anfahrtsweg vom Wohnort bis zur Schule zu bewältigen haben, ist die Anwesenheit im Unterricht nahezu bei 100 Prozent.

Nicht zuletzt glänzt diese Klasse mit solidarischem Umgang und hohem Verständnis untereinander. Dazu die Schulleiterin: „Die mit der Ausbildung verbundene Doppel- bis Dreifachbelastung ist für alle Teilnehmer dieser Klasse eine große Belastung. Vor allem für Frauen mit schulpflichtigen Kindern und pflegebedürftigen Eltern bedeutet die berufsbegleitende Ausbildung ein hohes Maß an Umorganisation in der Familie.“ Davon seien gleichermaßen alle Familienmitglieder betroffen, die Auswirkungen wären auch im Schulalltag zu spüren.

Mechthild Schöller-Stindt ist allerdings davon überzeugt, dass sich die Teilnehmer auf dem richtigen Weg befinden und nächstes Jahr als hoch motivierte und leistungsstarke Fachkräfte ins Berufsleben entlassen werden können: „Alle Schüler diese Klasse sitzen in „einem Boot“ und das Curriculum ist auf deren Lern- und Wissensbedürfnisses abgestimmt“.

Copyright © September 2013 ibs Institut für Berufs- und Sozialpädagogik e.V./Verfasser: M. Schöller-Stindt/Margret Witte