generalistische Pflegeausbildung

Gewalt gegen Pflegende – Pflegeforschungsprojekt der BFS OHZ

Veröffentlicht am: 19. August 2015

„Wir bereiten unsere Auszubildenden umfassend auf die Tätigkeit in der Altenpflege vor“, sagt Mechthild Schöller-Stindt. „Dazu gehört auch, sich mit den negativen Seiten des Berufs auseinanderzusetzen.“ Die Schulleiterin der Berufsfachschule Altenpflege Osterholz-Scharmbeck ist stolz auf die aktuelle Altenpflegeklasse. „Sie haben sich mit viel Engagement mit einem doch sehr schwierigen Thema beschäftigt.“ Denn dass Pflegekräfte verbale und körperliche Gewalt von seiten ihrer Patienten erfahren, sei noch immer ein Tabu.

Kontroverse Themen gehören zum Ausbildungsprofil

„Projekte wie diese tolle Arbeit gehören zum modernen Profil unserer Schule“, erläutert Schöller-Stint. „Über berufliche Herausforderungen, wie etwa persönliche Gewalterfahrungen, diskutieren wir mit den jungen Altenpflegeauszubildenden und sie begreifen, dass genau diese Komplexität im Berufsalltag den Altenpflegeberuf so spannend macht.“

Pflegeforschungsprojekt „Verbale und körperliche Gewalt gegen Pflegende“

„Wir legen großen Wert darauf, über die Entwicklungen in Forschung und Wissenschaft zu informieren.“ Ziel des schulinternen Forschungsprojektes war es, „von der Gesellschaft mehr Verständnis und Anerkennung für unseren Beruf zu erhalten“, wie es im Fazit heißt. Denn die Arbeit in der Altenpflege ist nicht nur eitel Sonnenschein, sondern mitunter eine echte Herausforderung. Die Pflegekräfte werden mit herausforderndem Verhalten und Aggressionen konfrontiert und nicht selten mit dieser Erfahrung allein gelassen.

Gewalt am Arbeitsplatz in Pflegeberufen nimmt zu

Dass die Gewalt am Arbeitsplatz in Pflegeberufen zunimmt, bestätigt die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Sie hat festgestellt, dass bis zu 86% der Beschäftigten im Gesundheitswesen innerhalb pro Jahr verbal attackiert werden. Bis zu 60% erlebten auch körperliche Gewalt, zum Beispiel Kneifen, Spucken oder Schläge.

Fragebögen für Umfragen selbst entwickelt

Gemeinsam haben die Altenpflegeschüler zweierlei Fragebögen entwickelt, zum einen um Passanten auf der Straße und zum anderen um Kollegen in verschiedenen Altenheimen und Pflegeeinrichtungen zu befragen. Die Befragung ist mit Landkreis sowie in der Stadt Osterholz-Scharmbeck durchgeführt worden. Die Ergebnisse hat die Klasse jetzt vorgelegt.

Ergebnis: Aggressivität als Normalzustand toleriert

Überraschend für die Schülerinnen und Schüler war das Ergebnis, dass doch mehr Kolleginnen und Kollegen im Pflegalltag die überaus häufig erfahrene körperliche Gewalt als normal tolerieren. Da pflegebedürftige Menschen sich zumeist aufgrund ihres Krankheitsbildes aggressiv verhielten, müsse es akzeptiert werden und gehöre zum Beruf.

Fazit: Unterstützende Umgebung am Arbeitsplatz wünschenwert

In diesem Fällen ist eine verantwortungsvolle Pflegedienstleitung hilfreich. Wie die Schüler aus Osterholz-Scharmbeck resümieren, reden zwar viele Betroffene mit ihren Kolleginnen und Kollegen über erlebte Gewalterfahrungen, aber oftmals herrscht Schweigen gegenüber den Vorgesetzten. Daher wird in der Projektarbeit ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis angeregt, das die Beschäftigten auffängt und unterstützt.

Spezielle Schulungen ermöglichen ein professionelles Agieren

Um mit Gewaltsituationen im beruflichen Alltag besser umgehen zu können, ist eine kollegiale und unterstützende Umgebung von entscheidender Bedeutung. Dazu gehört es, professionelle Schulungen und Weiterbildung zu besuchen und anzubieten, etwa indem Arbeitgeber entsprechende Inhouse-Schulungen in ihren Einrichtungen organisieren. Pflegekräfte lernen, wie sie mit heiklen Situationen und mit extrem schwierigen Personen umgehen, ohne sich dabei selbst zu gefährden oder gar zu schädigen.

Weiterbildung für gewaltfreie Pflege: Präventionsbeauftragte/r in der Pflege

»Beginn: 28.10.2015  |  Ende: 06.05.2016
oder
»Beginn: 26.10.2016  |  Ende: 03.03.2017

Mehr zur Weiterbildung Präventionsbeauftragte/r

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Copyright © August 2015 ibs Institut für Berufs- und Sozialpädagogik e.V. Verfasserin: S. Höstermann